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Göppel AutoTram® Extra Grand *
27.11.2012 - 01:00

Göppel AutoTram® Extra Grand
  • Prototyp für BRT-System
  • Probelauf in Dresden
  • Längster Bus der Welt


Die Dresdener staunten nicht schlecht, als im August dieses Jahres an der Semper Oper der Göppel AutoTram® Extra Grand vorfuhr. Mit zwei Gelenken und fünf Achsen misst dieser Bus über 30 Meter und bietet Platz für 256 Passagiere.

Entwickelt wurde das Fahrzeug vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Zusammenarbeit mit dem Bushersteller Göppel Bus GmbH. Dreieinhalb Jahre dauerte die Entwicklung dieses Prototypen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Doch nicht nur der Busbauer und das Institut waren am Bau beteiligt. So kam der Traktionsmotor von Wittur Electric Drives GmbH, das Steuergerät von M & P, Fa. Hübner lieferte die Gelenke und die DEKRA war für die Zulassung zuständig..


Die Göppel AutoTram® Extra Grand vor der Semper Oper in Dresden

Nun wurde der Bus nicht geplant um in engen Innstädten herumzukurven, sondern als innovatives Fahrzeug für BRT-Systeme (Bus Rapid Transit). Deshalb hat man auch nicht die Betreiber des ÖPNV in Deutschland oder Europa im Auge, sondern die Großstädte in Südamerika und Asien. Dort sind schnelle Busstrecken mit einer hohen Kapazität und eigener Fahrbahn schon im Betrieb. Und einige Länder haben schon Interesse angemeldet.


Ausgelegt ist der Bus als Hybridbus, wobei er über einen komplexen Antrieb verfügt. Im Heck sitzt ein Iveco Tector mit 220 kW (299 PS) der als Stromerzeuger in einem elektrischen Zwischenkreis dient. Wenn diese Leistung nicht ausreicht, schaltet sich ein Mercedes V 8 mit 235 kW (320 PS) im Vorderwagen als Booster zu. Als Stromspeicher dienen zum einen Lithium-Ionen-Batterien mit 35 kWh Kapazität, zum anderen Supercaps mit 0,94 kWh. Mit dieser elektrischen Leistung kann der Bus sechs bis acht Kilometer rein elektrisch gefahren werden.



Zwei ungewöhnliche Gelenke


So ungewöhnlich der Bus, so ungewöhnlich auch die Gelenke, die vom Spezialisten Hübner aus Kassel beigesteuert wurden. Ein Doppelnickgelenk verbindet die Wagenteile eins und zwei (Foto links). Dieses Gelenk ist ausgelegt für die Fahrdynamik von zweiachsigen Omnibussegmenten oder Doppelgelenkbussen. Mit 57 Grad ist der Knickwinkel drei Grad größer als bei normalen Gelenken. Trotzdem ist das Gewicht 85 kg niedriger als sonst. Dafür ist aber die Durchgangsbreite etwas schmaler.

Um die Wagenteile zwei und drei zu verbinden wurde ein Kurzgelenk eingebaut. Es spart 60 cm Länge, was wiederum dem nutzbaren Fahrgastraum zugute kommt. Der Knickwinkel beträgt hierbei 54 Grad. Allerdings ist das Gelenk mit einem Gewicht von 850 kg 150 kg schwerer als normalerweise üblich. Eine Besonderheit ist die Konstruktion mit zwei gekreuzten Armen anstatt des Drehschemels.

Die Ingenieure von Göppel griffen für die Konstruktion der AutoTram® auf vorhandene Komponenten zurück. So entstand das Fahrzeug aus einem Solobus plus einem Göppel-Anhänger und einem Nachläufer. Neben dem Antrieb und den Gelenken erforderte auch die Lenkung neue Ideen. Doch auch das bekam man in den Griff und mit einem Wendekreis von 24,7 Metern liegt man innerhalb des BO-Kraftkreises und somit der Zulassungsordnung.



Der jetzige Prototyp verfügt über 96 Sitz- und 160 Stehplätze. Aber das ist den Erbauern noch zu wenig. Das Serienmodell soll 300 Fahrgäste aufnehmen können.


Blick in das Innere vor dem Kurzgelenk


Göppel AutoTram® Extra Grand auf der IAA (Video bei Youtube)




Technische Daten siehe Datenblatt

Fotos:
Göppel Bus GmbH
Fa. Hübner


admin


gedruckt am 28.09.2020 - 04:11
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