Ehemalige Bushersteller
Magirus-Deutz
16.10.2007 - 15:21


Magirus-Deutz

1894 trat der Kauf- und Feuerwehrhauptmann Conrad Dietrich Magirus (1824 – 1895) als Kommanditist und Prokurist in die Firma der Gebrüder Eberhard ein. Er selbst bezeichnete diesen Schritt als Gründung einer Firma für „Feuerlösch-Requisiten“. 1887 übergab er die Firma an seine Söhne Heinrich und Hermann. 1911 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Anfangs beschäftigt sich die Firma mit dem Bau von Schiebe- und Drehleitern für die Feuerwehr. Später kamen Petroleum- und Dampffeuerspritzen dazu. 1916 erfolgte der Bau des ersten Lastwagens, dem 1919 der erste Omnibus folgte. Im weiteren werden wir uns hier auch auf den Omnibusbau beschränken.

Als Grundlage für diesen Bus diente das Zweitonnen-Fahrgestell mit 40 PS und Kardanantrieb. Dafür stand auch das C in der Typenbezeichnung. Gebremst wurde mittels der Getriebebremse, deren Trommel mit Wasser gekühlt wurde. Insgesamt wurden 282 Einheiten der Baureihe 2C, 2C 1 und 2C 1N gebaut.

Den Verkauf übernahm von 1919 bis 1926 das Verkaufskartell Deutscher Automobil Konzern (DAK), dem die Firmen DUX, Presto und VOMAG angehörten.


Der erste Omnibus, ein 2 C V in der Ausführung für die Württembergische Postverwaltung. Der Aufbau stammt von Kässbohrer.

1927 löste der Typ ML-V die bisherigen 2C-Typen ab. Dieser Typ war mit einem Niedereinstiegsrahmen versehen. Mit neuen Motoren, neuer Technik und neuem Design erschienen 1929 dann die Omnibusse der zweiten Generation. Unter anderem die Typen M 25, M 27 und M 30. 1932 folgten noch die Typen M 45 und M 50.

Doch auch in der Firmenführung änderte sich was. Nachdem die Banken den Rücktritt von Adolf von Magirus erzwungen hatten, kam es zum Einstieg der Humboldt-Deutz-Motoren AG. Dies führte dazu, dass ab 1937 nur noch Deutz-Motoren in den Magirus-Fahrzeugen eingebaut wurden.


Magirus M 30 – von 1937


Magirus M 35 – von 1936


Magirus M 45 – von 1936

Die Busse der Baureihen M 37, M 45 und M 50 brachten es bis zum Jahre 1941 auf 115 Einheiten, wobei die Stahlaufbauten von den Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken AG in Mainz angefertigt wurden. Bis zum Jahre 1944 hatten ca. 2.640 Omnibusse und Fahrgestelle das Werk verlassen. Nach dem Krieg konnte 1946 die Lkw-Produktion wieder aufgenommen werden, dem 1948 die Produktion von Omnibussen folgte. Begonnen wurde mit dem ehemaligen Kriegstyp unter der alten Bezeichnung O 3000 auf einem vom Lkw abgeleiteten Fahrgestell.


Magirus O 3000 von 1948. Der Aufbau stammt von Kässbohrer.

1949 wird der O 3000 vom O 3500 abgelöst. Mit dem O 3500 erhalten die Busse auch ein gefälligeres Aussehen. Ab 1950 weicht die eckige Schnauze einer rundlichen Haube, die man auch an den Lkw findet. Da sie nach oben aufgeklappt wird, wird sie auch „Alligator“-Haube genannt.


Magirus O 3500 von 1954

Auf der IAA 1951 stellt Magirus dann noch seinen O 6500 H vor, dessen Serienproduktion aber erst 1952 anlief. Das H hinter der Typenbezeichnung steht für Heckmotor. Der Aufbau war in halbselbsttragender Bauweise hergestellt. Als Motor diente der V 8-Zylinder vom Typ Deutz F 8 L 614 mit 170 PS. Angeboten wurde der Bus als Reise- und Linienbus. Ab 1953 war der O 3500 dann auch als Heckmotoromnibus unter der Bezeichnung O 3500 H erhältlich.


Magirus O 6500 von 1953 als Zeichnung aus einem Prospekt

Als zur IAA 1957 der neue selbsttragende Omnibus vom Typ „Saturn II“, zunächst als Linienbus, angeboten wird, reduziert Magirus die Baureihe O 3500 H auf die Reisebustypen. Diese werden dafür aber auf Wunsch mit Luxusausstattung geliefert. 1958 war der Saturn II auch als Reisebus erhältlich und der O 3500 H verschwand aus den Angebotslisten. Da jedoch viele Aufbauer, besonders im Ausland, dringend noch ein Omnibuschassis benötigen, wird unter der Bezeichnung Saturn I ein solches bis ca. 1963 geliefert.


Magirus Saturn II als Reisebus von 1962

Mit dem Saturn II schafft Magirus nun endlich den Durchbruch im Bereich der Stadtlinienbusse. 650 Busse dieses Typs ordert allein die Hamburger Hochbahn. Aufgrund des großen Erfolges, wird 1959 noch eine verlängerte Version unter der Bezeichnung II L mit einer Gesamtlänge von 11,5 m vorgestellt. Eine weitere Variante des Stadtlinienbusses war der Saturn II LS. Dieser besaß eine weiterentwickelte Form der Luftfederung.


Magirus Saturn II LS von 1963

Im Rahmen der Modellpflege, wird der Saturn ab 1963 als Luxus-Reisebus angeboten, was ihn noch attraktiver macht. Die leicht schräggestellten Fensterpfosten, die Dachrandverglasung sowie die Ausstattung mit Pullman-Schlafsitzen gaben ihm ja auch ein ansprechendes Aussehen.


Magirus Saturn II Luxus-Reisebus von 1964

1964 wurden die Typenbezeichnungen bei Magirus geändert. Die Planetenbezeichnungen fielen weg und die Busse erhielten den Buchstaben „M“ für Magirus. Zusammen mit Zahlen- und Buchstabenkombinationen konnte nun aus der Typenbezeichnung die PS-Leistung, der Verwendungszweck (Stadt-, Linien- oder Reisebus) sowie die Länge entnommen werden. So hieß der Saturn II nun M 150 L (R oder S) und der Saturn II L hieß nun M 150 L 12.

1966 war das Unternehmen mit über 1.250 produzierten Bussen an die zweite Stelle hinter der Daimler-Benz AG aufgerückt. Problem dabei war allerdings, die größten Stückzahlen wurden mit Stadt- und Linienbussen erreicht, diese wiederum brachten nur wenig Gewinn. Um die Muttergesellschaft Klöckner-Humboldt-Deutz stärker hervorzuheben, zierte außerdem nur noch der Schriftzug „Deutz“ anstatt „Magirus-Deutz“ die Busse. Eine Idee, von der man aber sehr schnell wieder abkam. Schon ein Jahr später stand wieder „Magirus-Deutz“ als Schriftzug auf den Bussen.


Magirus M 150 L 12 von 1966

Gegen Ende des Jahres 1968 war die Serienfertigung des M 170 S 11 angelaufen. Angetrieben wurde der Bus mit dem neuen 170-PS-Motor F 6 L 413. Diesem Bustyp folgte 1969 die Vorstellung des Kleinbusses M 120 R 80. Das mit Starrachsen ausgestattete Fahrzeug war auf einem Rahmenfahrgestell aufgebaut. Angetrieben wurde es von einem Reihensechszylinder mit 120 PS, der quer im Heck eingebaut war.


Magirus M 170 S 11 von 1968


Magirus M 120 R 80 von 1969

Nachdem im Jahr 1969 die Produktion von Bussen rückläufig war, stieg sie 1970 wieder auf ca. 1.900 Einheiten. Trotzdem tauchten Gerüchte auf, dass der Omnibusbau aufgegeben werden solle. Als die Stückzahlen im Jahr 1973 auf unter 800 sank, nahm das Unternehmen Kontakt zu Daimler-Benz und Fiat auf. Vorab wurden aber schon die Magirus-Werke aus dem Klöckner-Humboldt-Deutz Konzern ausgegliedert und firmierten nun als Magirus-Deutz AG. Mit Jahresbeginn 1975 wurde die Magirus-Deutz AG in der IVECO (Industrial Vehicles Corporation) eingegliedert.

Mit der Gründung der IVECO wurde beschlossen, für die Stadtbusse eine einheitliche Typenreihe zu schaffen. Als Basis sollte der SH 110 dienen. Bei den Reisebussen gab es die Modelle R 80, TR 100 und TR 120. das „T“ stand hierbei für „Transit“. Diese Modelle konnten auf Wunsch mit Toilette, Bordküche und Klimaanlage ausgestattet werden.


Magirus TR 120 von 1976


Magirus 260 SH 110 von 1981

Nachfolger der TR-Baureihe wurde 1978 der R 119, der als „M 2000“ vermarktet wurde. Er basierte auf dem Fiat-Fahrgestell 370 F und verfügte bei Starrachsen vorne und hinten über Luftfederung. Angetrieben wurde er von einem 256 PS V 8-Motor. Gebaut wurden die ersten Busse allerdings bei der ehemaligen Fiat-Karosseriefabrik Cameri in Italien.


Magirus M 2000 von 1978

Das Mainzer Werk baute noch die L 117-Fahrwerksgruppe und gab dieses als Economy-Fahrgestell auch an andere Aufbauer ab. Dazu kam noch der Typ L 80 mit 17 Sitz- und 31 Stehplätzen. Dieser Bus war für den Zubringer- und Schülerverkehr gedacht.

Unter IVECO wurden große Investitionen getätigt, um das Mainzer Omnibuswerk wieder wettbewerbsfähig zu machen. So wurde unter anderem eine neue Montagehalle in Mainz-Mombach gebaut. Hier fand dann die Serienfertigung des Gelenkbusses SH 170 statt.

Doch obwohl viel Geld in die Omnibusfertigung floss, war das Ergebnis unbefriedigend. In dem immer mehr zusammengeschrumpften Typenprogramm war es lediglich der R 81, ein Nachfolger des R 80, der noch gute Absatzzahlen erreichte. 1981 waren die Verkaufszahlen wieder unter 1.200 Komplettfahrzeuge gesunken. In Deutschland konnten nur ca. 345 Busse abgesetzt werden. Das Ulmer Werk machte bei einem Umsatz von 170 Millionen einen Verlust von 65 Millionen. Da wundert es niemand, dass das Mainzer Werk 1982 geschlossen werden sollte. Überraschend war allerdings, dass dieses Werk dann noch im Jahr 1982 den Ü 80-Typ vorstellte.

Trotz alledem, das Werk in Mainz schloss 1982 seine Pforten. In Ulm arbeitete noch bis 1989 bzw. 1992 die Konstruktions- und Design-Abteilung weiter. Beide Abteilungen hatten maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des neuen Reisebusses „EuroClass“, der 1992 von der IVECO-Gruppe vorgestellt wurde.

Inzwischen werden die Busse von IVECO unter dem Namen „Irisbus“ vermarktet. Irisbus ist ein Zusammenschluss mehrerer Omnibushersteller.


Magirus M 120 R 81 von 1978


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