Ehemalige Bushersteller
Waggonfabrik Josef Rathgeber AG
23.07.2010 - 00:00


Waggonfabrik Josef Rathgeber AG

Die Waggonfabrik Josef Rathgeber AG wurde 1852 gegründet und beschäftigte sich mit dem Bau von Post- und Reisekutschen. Mit Eröffnung der Eisenbahnlinie Augsburg-München 1840 begann man dann mit dem Bau von Eisenbahnwaggons. Ab 1907 bzw. 1909 wandte man sich auch dem Bau von Lastwagen zu, indem man Büssing Lastwagen in Lizenz produzierte. Nach dem ersten Weltkrieg wandte man sich wieder dem Kerngeschäft zu, dem Bau von Eisenbahnwaggons und Straßenbahnen und im zweiten Weltkrieg war man Rüstungsbetrieb.

Nach dem zweiten Weltkrieg fing man an neben dem Kerngeschäft auch Aufbauten für Omnibusse zu fertigen. Hierbei avancierte man schnell zum Hoflieferanten von Krauss-Maffei, auf deren Fahrgestellen die verschiedensten Aufbauten gefertigt wurden.


Eine Werbeanzeige aus dem Jahre 1951. Für den im amerikanischen Stil gebauten Omnibuszug wurde ein Krauss-Maffei-Fahrgestell verwendet.

Das Geschäft mit den Omnibusaufbauten für Linien- und Reisebussen lief so gut, dass man im Jahre 1951 auf der IAA einen ersten eigenständigen Omnibustyp vorstellte.


Krauss-Maffei KMO 133 mit Aufbau von Rathgeber aus dem Jahre 1951


Rathgeber RO 4000 aus dem Jahre 1951

Der RO 4000 genannte Niederflurbus kam ohne Rahmen aus, diese Funktion übernahm das verwindungssteife Bodengerippe des Aufbaus. Als Antrieb diente ein 4-Zylinder-Deutz-Motor oder ein wassergekühlter 4-Zylinder-Motor von Steyr. Die Kraftübertragung übernahm ein 5-Gang-Getriebe von ZF. Nach der Produktion von 3 Vorserienmodellen begann 1952 die Serienproduktion, die jedoch nach 22 Exemplaren im selben Jahr wieder eingestellt wurde.


Eine Werbeanzeige aus dem Jahre 1952 für den RO 4000

Nach der Einstellung der Produktion des RO 4000 beschränkte sich Rathgeber wieder auf die Produktion von Schienenfahrzeugen, Omnibusaufbauten auf Fremdfahrgestellen und Omnibusanhängern.


Krauss-Maffei KMO 133 mit Aufbau von Rathgeber aus dem Jahre 1953

Rathgeber baute aber nicht nur, wenn auch vorwiegend, Busse auf Krauss-Maffei-Fahrgestellen auf, sondern auch auf Fahrgestellen anderer Hersteller. So unter anderem auf MAN-Fahrgestellen.


Aufbau von Rathgeber auf einem MAN MKH 4-Fahrgestell aus dem Jahre 1953

Neben den Omnibusaufbauten stellte man auch Omnibusanhänger in verschiedenen Größen mit einem Tiefrahmenfahrgestell her. Die Anhänger besaßen einen Mittelrohrträger, ein Spezialfahrgestell mit patentierter Drehzapfenlagerung, Querblattfederung und einer hinteren Starrachse in Gummilagern. Auf Wunsch wurden die Anhänger auch mit einer Vierradlenkung ausgestattet.


Ein Anhänger von Rathgeber aus dem Jahre 1953

Bereits im Jahre 1956 hatte die Firma F.X. Meiller GmbH die Aktienmehrheit von Rathgeber übernommen. So kam es, dass man von 1952 bis 1958 auch Raupenschlepper des ehemaligen FAMO-Typs Boxer baute. Außerdem baute man Stabs-, Küchen- und Fernmeldefahrzeuge auf Lkw-Fahrgestellen für die Bundeswehr. 1970 wurde ein weiterer Großteil der Aktien von Meiller und 1987 die gesamte Firma endgültig übernommen und die Produktion wurde, bis auf wenige Ausnahmen, auf Kipper umgestellt. Nach der Verlagerung des Firmensitzes und der Produktion sind von dem ehemaligen Werksgelände der Waggonfabrik Rathgeber nur noch die Rathgeber-Villa, das Tortürmchen und zwei Hallen als Industriedenkmäler erhalten.


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