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Ford-NWF-Schnellbus (NWF FS)
23.09.2009 - 01:00

Ford-NWF-Schnellbus (NWF FS)

Ford-NWF-Schnellbus FS – Baujahr 1952

Nachdem der Nordwestdeutsche Fahrzeugbau im Jahre 1948 einen Auftrag über 100 Omnibusaufbauten auf Ford-Fahrgestellen für die Besatzungsmächte erhalten hatte, war man in Wilhelmshaven auf den Geschmack gekommen. Man beschloß daher einen eigenen Bus zu bauen. Zu diesem Zweck erwarb man die Pläne für einen Stromlinien-Omnibus von dem Flugzeugkonstrukteur Prof. Dr. Henrich Focke. Dieses Modell verzichtete auf einen Lkw-Rahmen und bestand daher aus einem verschweißten Gerippe aus Leichtmetallprofilen, auf das NWF in Schalenbauweise die Leichtmetall- und Stahlbleche aufgesetzt hatte. Die Achsen und der Motor stammten aus der Kooperation mit Ford.


“Flugzeug der Landstraße“ betitelte der Prospekt den neuen Bus. So wie in der Zeichnung sah auch der Prototyp aus, der 1951 vorgestellt wurde. In der Serienfertigung war das Heck dann steiler und weniger ausladend.

Getreu den Prinzipien von Prof. Focke folgend, wurden hochwertige Aluminiumlegierungen als Material benutzt, um Gewicht zu sparen. So erreichte man ein Leergewicht von nicht ganz 4,5 Tonnen und ein Gesamtgewicht von 7.700 kg. Das wiederum schuf die Voraussetzungen für günstige Betriebskosten.


Wie die Zeichnung verdeutlicht, gleicht die Karosserie einem Flugzeugrumpf.

Auf der Automobilausstellung 1951 in Frankfurt erregte der Bus dann auch großes Aufsehen. Dank der ausgefeilten Aerodynamik kam der Bus auf einen Kraftstoffverbrauch von ca. 17 Liter/100 km, was die Fachpresse begeisterte.


Auf dem Foto gut zu erkennen: Das ausladende Heck des Vorserienmodells. Hier mit geöffneter Seitenklappe für den Zugang zum Motor.

Auch die für damalige Zeiten modisch-gediegene Innenausstattung wurde gelobt. Das ging über die Rundumverglasung, die Deckenbespannung und die Fahrgastsitze in Kunstleder. Auch eine Blumenvase beim Fahrer gehörte zur serienmäßigen Ausstattung.


Innenansicht des Ford-Schnellbusses


Fahrerplatz des Ford-Schnellbusses

Die technischen Komponenten wurden, wie eingangs bereits erwähnt, von Ford geliefert. Dazu gehörten Starrachsen vorne und hinten, der Motor und das Getriebe. In der Vorserie war noch der Ford V8-Benzinmotor eingebaut, dieser wurde in der Serie durch den 90 PS-Hercules-Diesel ersetzt. Dieser Motor stammte aus der Kooperation von Ford-Köln mit dem amerikanischen Motoren-Hersteller Hercules. Als Getriebe fand ein Ford Sperrsynchron-Getriebe Verwendung, bei dem der 2., 3. und 4. Gang synchronisiert waren.

Technische Daten siehe Typenblatt

So waren, nach damaligen Maßstäben, eigentlich alle Voraussetzungen geschaffen, um den Bus zu einem Erfolg werden zu lassen. Doch es kam anders. Zum einen drängte die Konkurrenz, vor allem Kässbohrer in Ulm und Krauss-Maffei in München, mit selbsttragenden Bussen auf den Markt, zum anderen gab der 90 PS-Dieselmotor immer wieder Grund zu Klagen der Kundschaft. Es gab einzelne Fälle, in denen der Motor bereits nach 10 bis 20.000 Kilometern festsaß. So etwas sprach sich in Fachkreisen sehr schnell herum und schadete dem Ruf von NWF enorm. Wurden von dem Ford-Schnellbus in den Jahren 1952/53 noch 77 Stück gebaut, so war es im Jahre 1954 nur noch ein einziger, der die Hallen verließ.

Auf der IAA 1955 wurde in den Verkaufslisten von NWF ein FS 56 genannter Nachfolger aufgeführt, der mit dem 120 PS Zweitakt-Diesel ausgestattet werden sollte, doch zu einer Produktion dieses Busses kam es nicht mehr. 1955 meldete die NWF Konkurs an und damit endete auch der Omnibusbau in Wilhelmshaven.


Auf Zeichnungen und Fotos musste immer wieder das Flugzeug für die Präsentation herhalten. Hier eine Lockheed Constellation auf dem Deckblatt des Prospektes.


Technische Daten - Ford-NWF-Schnellbus (NWF FS) (Typenblatt)


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