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Gelenkbusse Mercedes-Benz Citaro G sind jetzt in der französischen Großstadt Nantes unterwegs
02.11.2006 - 18:27

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Gelenkbusse Mercedes-Benz Citaro G sind jetzt in der französischen Großstadt Nantes unterwegs
  • 20 erdgasbetriebene Citaro-Gelenkbusse für Nantes (Frankreich)
  • Die ersten Fahrzeuge befinden sich seit dem 6. November 2006 im regulären Linieneinsatz
  • Einzigartiges, bahnähnliches Design innen wie außen
  • Erdgasantrieb mit dem Mercedes-Benz-Motor M 447 hLAG


Wer seit dem 6. November 2006 in der Stadt Nantes die Linie 4 benutzt, hat das Gefühl, in eine Straßenbahn zu steigen, betritt aber einen der modernsten Gelenk-Linienbusse Europas. Des Rätsels Lösung heißt Bus-Way: Ein innovatives Verkehrskonzept der Stadtgemeinschaft Nantes, basierend auf Omnibussen des Typs Mercedes-Benz Citaro mit Erdgasantrieb in einem speziellen, bahnähnlichen Innen- und Außendesign. Die ersten dieser Omnibus-Unikate sind am Wochenende vom 4.-5. November 2006 mit einem Festakt für die gesamte Region feierlich in Betrieb genommen worden.
Die Stadtgemeinschaft Nantes besteht aus 24 Gemeinden, die sich zusammengetan haben, um die Region mit gemeinsamen Vorhaben, auch wirtschaftlich, dauerhaft zu stärken. Ein wichtiges Thema hierbei ist der Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Bus-Way ist das erste gemeinschaftlich geführte Projekt in Nantes, um den Omnibus und die damit verbundenen Verkehrswege zu etablieren. Für die Linie 4 wurden insgesamt 20 Citaro-Gelenkbusse geordert. Sie verbinden ab sofort die 15 Stationen der acht Kilometer langen Strecke zwischen Nantes und Porte de Vertou in weniger als 20 Minuten miteinander. Die wichtigsten Prämissen des neuen Konzepts heißen Umweltschutz und Verkehrsfluss. Hierfür sind nicht nur die neuen Mercedes-Benz-Omnibusse beschafft worden, sondern es werden auch eigene Trassen gebaut, die vom übrigen Verkehr losgelöst sind.

Der in der Farbe „Iridiumsilber“ lackierte und in Schwarz und Gelb abgesetzte Citaro-Gelenkbus überrascht den Betrachter innen wie außen. Auffällig ist die markante, bahnähnliche Seitenlinie des 18 m langen Citaro G. Nach oben hin ist das Fahrzeug über den Dachrand hinaus verkleidet worden. Durch diese fiktive Dachanhebung „verschwinden“ die Gastanks auf dem Dach optisch fast vollständig.

Um beim Gelenk keinen Bruch in der Linie entstehen zu lassen, hat man den Faltenbalg um die Höhe des Dachrands erhöht. Die weit nach unten gezogenen Radlauf-Verkleidungen der Mittel- und Hinterachse und die doppelt verglasten, venusgrün getönten Seitenscheiben machen die Illusion einer Straßenbahn fast perfekt. Spätestens im Inneren des Fahrzeugs erkennt man die individuelle Handschrift von Bus-Way. Der Blick fällt als Erstes auf die in Ahornholz ausgeführte Mitteldecke. Die in ihr eingelassenen Spots auf Diodenbasis trennen farblich drei Bereiche des Fahrzeugs. Der Vorderwagen ist gelb, die Fahrzeugmitte weiß und der Heckbereich blau beleuchtet. Aluminiumpolierte Deckenfluter auf Diodenbasis ergänzen an ausgewählten Fenstersäulen die Sonderbeleuchtung. Alle Haltestangen sind im Bus-Way-typischen Design gehalten. Charakteristisch sind geschliffenes Edelstahlrohr, oben und unten als Rundbogen und im Griffbereich mit griffiger, matter Oberfläche ausgeführt. Die dunkelblauen Sitze in Anti-Vandalismus-Ausführung haben eine elliptisch zulaufende Rückenlehne. Analog dazu wurde die Form der Rollstuhl-Anlehnpolster gestaltet.

Der gesamte Innenbereich ist videoüberwacht. Sechs Kameras überwachen die Ein- und Ausstiege und den Fahrgastraum samt der Rollstuhlplätze im Vorderwagen. Komplett vom Fahrgastraum isoliert präsentiert sich der abgerundete Fahrerarbeitsplatz. Durch den ersten Türflügel erreicht der Fahrer seinen Arbeitsplatz in einer richtigen „Fahrerloge“. Mit einer Trennwand ist dieser Einstieg vom Einstieg für Fahrgäste über den zweiten Türflügel völlig getrennt. Um in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen den Zutritt zu dem Fahrzeug zu erleichtern, sind Tür 2 und Tür 3 mit verkürzten Rampen ausgestattet. Beim Öffnen der automatisierten Schwenkschiebetüren durch den Fahrgast fahren die Rampen innerhalb von zwei Sekunden automatisch aus. Durch die neu gestalteten und um 270 mm angehobenen Haltestellen kann das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste so nahezu ebenerdig erfolgen.


Neben den üblichen Fahrgast-Informationen wie Nummern- und Fahrtzielanzeige verfügt der Citaro G über zusätzliche Anzeigen: Mit vier beleuchteten Streckenverlaufs-Anzeigen am Dachrand innen, vier 15 Zoll großen TFT-Bildschirmen und vier LED-beleuchteten Reklamerahmen bietet Bus-Way seinen Fahrgästen zusätzlich Informationen, Werbung und Nachrichten.

Der Bus-Way-Citaro wird vom Mercedes-Benz-Erdgasmotor M 447 hLAG mit 240 kW (326 PS) angetrieben. Der Treibstoff, auf 200 bar verdichtetes „Compressed Natural Gas" (CNG), befindet sich in acht Tanks auf dem Fahrzeugdach. Das Fassungsvermögen dieser acht Tanks von insgesamt 1 520 Litern reicht für einen vollen Arbeitstag. Geschaltet wird über ein Sechsgang-Automatikgetriebe.

Die Linie 4 ist ein Projekt öffentlicher Verkehrsmittel, das die Vorteile der Straßenbahn mit denen des Omnibusses verbindet. Mit der Inbetriebnahme der neuen Bus-Way-Linie von Nantes nach Porte de Vertou ist die komplette Strecke als eigenständige Trasse ausgebaut worden. Mit Bus-Way erhoffen sich die Verantwortlichen, den stark frequentierten Innenstadtverkehr zu entlasten und die äußeren Randbezirke verkehrsgünstig an die Innenstadt anzubinden. Derzeit fahren täglich etwa 240 000 Passagiere, vor allem Pendler, mit den bislang bestehenden drei Straßenbahn-Linien die Strecke in die Innenstadt. Schätzungen gehen davon aus, dass mit der neu errichteten Linie 4 rund 25 000 Fahrgäste pro Tag das Bus-Way-Angebot nutzen, um in die Innenstadt zu gelangen. Das Projekt Bus-Way genießt in Frankreich hohe Aufmerksamkeit - es gilt als Symbol für eine fortschrittliche Lösung wachsender Mobilität und wird daher in ganz Frankreich genau verfolgt.


Fotos und Text:
EvoBus GmbH - Mercedes-Benz Omnibusse


admin


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