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  Geburt einer Legende: Die 1949 vorgestellte Motorenbaureihe 300 ist ein großer Wurf
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12.05.2009 von admin


Start einer internationalen Karriere

Es dauert nicht lang, bis Daimler-Benz schon anno 1950
1000 CKD-Chassis (Completely Knocked Down) des L 3500, wie der etwas aufgelastete L 3250 jetzt heißt, nach Brasilien liefern kann. Das bildet den Auftakt für weitere Aufträge über 2000 Lkw sowie 500 Omnibus-Chassis und mündet am 23. Oktober 1953 in die Gründung der Mercedes-Benz do Brasil in São Paolo.

Auch in Indien macht der OM 312 Karriere. Haspel beginnt die Verhandlungen mit Hindustan Motors, vollendet sie – nach Schwierigkeiten in der Umsetzung – mit Tata: Am 1. April 1954 wird mit der Tata Engineering and Locomotive Company Ltd. (Telco) ein so genanntes Technical Aid Agreement getroffen, dessen Laufzeit 15 Jahre beträgt. Vorgesehen ist Zusammenarbeit beim Vertrieb und bei der Errichtung eines neuen Montagewerks für Mercedes-Benz Lkw ab drei Tonnen. Daimler-Benz beteiligt sich an Telco mit rund 12,5 Prozent.


In Indien finden sich dankbare Abnehmer für Motor sowie Fahrgestell des L 3500.

OM 312 sowie L 3500 sind es, die den Grundstein für die spätere globale Nutzfahrzeugpräsenz des Konzerns legen.

Parallel zur Fertigung der neuen Maschinen probieren die Konstrukteure am OM 312 neue Techniken aus. Schon 1951 laufen Versuchsmuster mit Direkteinspritzung, doch „die hatten fürchterliche Kolbenfresser“, erinnert sich Entwickler Wolf-Dietrich Körner.

Aufgeladene Varianten treten an

Hinter den Kulissen arbeiten die Entwickler zudem bereits an aufgeladenen Motoren. Zunächst verpassen sie dem OM 312 jedoch auf konventionelle Art eine Leistungsspritze: Im L 4500 leistet der Motor 100 PS. Die Nenndrehzahl klettert dafür von 2800 auf 3000/min.

Dann aber kommt ein erster Ladermotor. Mit dem OM 312 A leiten die Ingenieure 1954 eine neue Ära ein. Sperrt sich das Unternehmen bei den schweren Motoren noch Jahrzehnte gegen die Aufladung, so sieht dies in der Baureihe 300 ganz anders aus. 115 PS leistet der erste Nutzfahrzeugmotor in einem Mercedes-Benz mit Turbolader aus unverändert 4,6 Liter Hubraum, bei einem Mehrgewicht von nur 15 Kilogramm. Geänderte Steuerzeiten mit deutlich größerer Ventilüberschneidung, leicht abgesenktes Verdichtungsverhältnis, neuer Brenner für die Vorkammer: Die neue Technik Aufladung wird bestmöglich abgesichert.

Gedacht ist die Maschine vor allem für Feuerwehren, die dem Thema Dieselmotor zu diesem Zeitpunkt immer noch skeptisch gegenüberstehen und jetzt mit Leistung gelockt werden sollen. Die damaligen Fuhrunternehmer wiederum stehen zwar nicht mehr dem Diesel, aber der Aufladung zurückhaltend gegenüber – nicht zu Unrecht, wie sich zeigen wird.

Die deutliche Leistungssteigerung beim kompakten Motor ist damals wichtiger, als bei den großen Triebwerken ein Pfund draufzulegen. Jedoch: der Vorkammer bekommt die hohe Aufladung nicht gut, ihr wird’s zu heiß. Außerdem, so erinnert sich Wolf-Dietrich Körner: „Die Lader waren damals noch nicht in Ordnung, die konnte man praktisch mit dem Ölwechsel tauschen.“ Und Ölwechsel waren damals weit häufiger als heute. Dennoch: In großer Höhe zum Beispiel bewährt sich der Ladermotor vorzüglich. So wird der OM 312 A zum Beispiel gern als Motor bei Schneefräsen eingesetzt.


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