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  Geburt einer Legende: Die 1949 vorgestellte Motorenbaureihe 300 ist ein großer Wurf
Technik   Geburt einer Legende: Die 1949 vorgestellte Motorenbaureihe 300 ist ein großer Wurf
12.05.2009 von admin


Rundum modernisierte Technik

Den vorhandenen Motoren zum Beispiel einfach ein Extra wie Ladeluftkühlung hinzuzufügen – so beim 1983 gebrachten OM 362 LA mit 192 PS, der bei den Abmessungen mit dem OM 352 A noch identisch ist – wäre auf Dauer keine Lösung gewesen. Also gestalten die Ingenieure den Brennraum neu, verwenden Spiral- anstelle von Drallfall-Einlaßkanälen. Ein- und Auslasskanäle sind jeweils links in Fahrtrichtung angeordnet, um bei Ladermotoren lange Wege zu vermeiden. Das Gehäuse wird vereinfacht und gleichzeitig durch Rippen und stärkere Wände auf höhere Belastungen ausgelegt. Angeschmiedete Gegengewichte an den Kurbelwellen und ein geändertes Härteverfahren an Haupt- und Pleuellagern stehen ebenfalls für große Belastbarkeit.

Die Kolben tragen nur noch drei Ringe mit tonnenförmigem und daher kaum fressanfälligem Schleifbild. Ein neues Schmiersystem, Spritzölkühlung für die Ladermotoren und zahlreiche weitere Änderungen kommen hinzu. Die neue Baureihe OM 364/366 kommt 1983/1984 und begeistert: Die seinerzeit modernste Motorenbaureihe der mittleren Leistungsklasse ist geboren.

Die Ingenieure achten sogar auf eine attraktive Verpackung. Dafür wollen die Motorenleute zunächst die hauseigenen Designer unter Bruno Sacco einsetzen, doch wäre das zu teuer geworden. Darauf packen die Ingenieure selbst an und verpassen den Aggregaten zu den neuen inneren Werten hin ein sehr elegantes Exterieur. Bis zu 200 PS, später gar 240 PS holen die Ingenieure aus dem Sechszylinder. Der Vierzylinder startet als Sauger mit 90 PS, erreicht ab 1986 per Turboaufladung dann 115 PS und macht sich damit zum Beispiel in den Großtransportern 711 D sowie 811 D nützlich.

Die Puste reicht immerhin bis Euro 2

Doch auch die beste Baureihe ist irgendwann einmal am Ende ihrer Entwicklung angelangt. „Man hätte die Baureihe 300 weiterentwickeln können, aber dann wäre neues Kurbelgehäuse nötig gewesen“, erklärt Entwickler Körner. Ein weiterer Schritt mit diesen Motoren wäre unvertretbar teuer gewesen. Und Leckerbissen wie Mehrventiltechnik und Konstantdrossel hätten keinen Eingang in die Baureihe 300 mehr finden können, und auch Produktionsmaschinen werden alt.

Immerhin: Als OM 364 LA mit 136 PS erfüllt der 1994 auf der RAI in Amsterdam vorgestellte Vierzylinder locker die ab 1996 geltenden Abgasvorschriften für Euro 2. Ladeluftkühlung, Lader mit Wastegate sowie ein überarbeiteter Brennraum und Fünf- statt Vierloch-Einspritzdüsen sowie höherer Einspritzdruck sind die Mittel, das Triebwerk umweltfreundlicher zu gestalten. Ähnlich hat sich die Technik beim Sechszylinder OM 366 LA schon bei der anno 1991 vollzogenen Umstellung auf Euro 1 geändert, dessen Topmotorisierung ab dann 240 PS lautet. Ladeluftkühlung (Kürzel „L“) und Aufladung (Kürzel „A“) machen es außerdem generell möglich, die Nenndrehzahl ein weiteres Mal zu senken: Nur noch 2600 Umdrehungen benötigen die LA-Motoren, um ihre volle Leistung zu entfalten. Das kommt dem Verbrauch zugute, mindert die Lärmbelastung und steigert die Lebenserwartung der Motoren.

Ein würdiger Nachfolger naht

Trotzdem schlägt spätestens mit der Abgasnorm Euro 3 die Stunde für die altgediente Baureihe 300, die sich in so unterschiedlichen Anwendungen verdient gemacht hat: von Transporter, Lkw und Bus über Gabelstapler oder Generatoren bis hin zu Spezialfahrzeugen wie Unimog oder MB trac. Ihre Nachfolge tritt ab Januar 1996 (erstmals im LN 2) die neue Motorenbaureihe 900 an, die mit 102 und 133 Millimeter Hub Hubräume von 4,2 Liter (Vierzylinder) und 6,4 Liter (Sechszylinder) erreicht.

Mit drei Ventilen pro Zylinder (zwei Einlassventile und ein Auslassventil) sowie elektronisch gesteuerten Pumpe-Leitung-Düse-Elementen sind sie für die kommende Euro 3-Norm bestens gerüstet und erfüllen heute mit SCR-Technik die Norm Euro 5 mit leichter Hand. Als echter Weltmotor hat sich die 900er-Baureihe rund um den Globus bewährt und ist auch in dieser Hinsicht ein würdiger Nachfolger der 300er-Motoren, die indessen beileibe noch gar nicht überall abgedankt haben: Mit 211 PS ist ein OM 366 LA im brasilianischen Hauber „L-1620 Classic“ heute noch zu haben.


Fotos:
Daimler AG
Text:
Daimler AG


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