Geschichte
Die Schweiz
15.01.2006 - 17:55

Die Schweiz
Nachdem in Deutschland die Einführung des Omnibusses doch mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, schauen wir uns einmal im benachbarten Ausland um. Als Beispiel sei hier die Schweiz genannt.

Schon früh "experimentierte" man mit dem neuzeitlichen "Automobilfuhrwerk". Musste jedoch auch hier mit den technischen Schwierigkeiten zurechtkommen. Anders als bei uns hatte man jedoch erkannt, dass ein "Automobilfuhrwerk" erst einmal ausgiebig getestet werden muss, bevor man es auf den Gebirgsstrecken einsetzen kann.

Zuerst wurde der "Postautobetrieb" erst einmal organisiert. Dieser neue Transportdienst wurde der damaligen Trainabteilung der Oberpostdirektion unterstellt, die sich eigentlich mit dem Pferdepostbetrieb befasste. 1915 wurde diese Dienststelle in "Postkursinspektorat" umbenannt.


Der erste Saurer-Postomnibus aus dem Jahre 1906 im Posthof Bern

Am Anfang hielt man sich an die Bedienungsvorschriften der Fahrzeughersteller. Das Fahrpersonal wurde verpflichtet, die Omnibusse gut zu unterhalten und den Fahrdienst gewissenhaft zu versehen. Das klingt einfacher, als es war. Schlechte Strassen einerseits und mangelnde Konstruktionen andererseits führten häufig zu Störungen, die von den Fahrern mit primitiven Werkzeugen behoben werden mussten. Eine Reparaturwerkstatt für die Postfahrzeuge gab es noch nicht.

So "testete" man sich durch und langsam bekam man die neue Technik in den Griff. Doch richtig startete man erst nach dem 1. Weltkrieg durch. Der Bundesrat beschloss 1920 "die unentgeltliche Abgabe von Armee-Motorlastwagen" an die eidgenössischen Verwaltungen inklusive Post. Nach Versuchsfahrten übernahm die Post 100 Armee-Lastwagen und ließ die meisten Saurer-Wagen in sogenannte "cars alpins" und einen grossen Teil der Berna-Wagen in Überland-Fahrzeuge umbauen. Mit diesen Fahrzeugen wurde dann der regelmäßige Postautodienst aufgenommen, der sich immer mehr ausdehnte und somit auch die Pferdepost verdrängte.

Auch wandte man den Fahrern ein besonderes Augenmerk zu. Jeder Fahrer mußte sich einer ärztlichen Kontrolle unterziehen, bevor er zu einem sechswöchigen Ausbildungskurs zu den Fahrzeugherstellern Martini, Saurer und Berna geschickt wurde. Jeder Fahrer wurde ausserdem auf der ihm bestimmten Alpenstrasse durch mehrmalige Lehrfahrten eingewiesen. Kein Fahrer wurde zur selbstständigen Wagenführung zugelassen, bevor er nicht jede einzelne Strassenschwierigkeit kannte.

Der Saurer-Alpenwagen Typ A, 45 PS "Car alpin", 1920, mit 16 Sitzplätzen

Auf gewissen Stationen wurde den Fahrern außerdem regelmäßig auf Kosten der Postkasse Milch oder Tee verabreicht. Der Alkoholgenuss während der Fahrt war verboten und wurde, trotz "tagtäglichem Trinkangebot unverständiger Reisender", gewissenhaft eingehalten, wie die damalige Presse und auch die Wirte berichteten.


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