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Mercedes "CapaCity" - Ein neues Großraum-Linienbus-Konzept *
03.09.2006 - 15:15

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Mercedes "CapaCity" - Ein neues Großraum-Linienbus-Konzept

Ein völlig neues Beförderungskonzept für den ÖPNV-Linienverkehr ist der neue Niederflur-Großraum-Linienbus „CapaCity“, der auf der MOT 2005 erstmals als Prototyp zu sehen ist. Mit seinem neuen Konzept als vierachsiger und viertüriger Gelenkbus mit nur einem Gelenk und Euro 4-Motor schlägt der 19,54 m lange „CapaCity“ ein neues Kapitel der Großraum-Stadtlinienbusse auf. Bereits von außen fällt auf den ersten Blick sein eigenständiges und innovatives Design auf, das ihn trotz seiner Größe attraktiv anmuten lässt und seine Zugehörigkeit zur Mercedes-Benz-Stadtbusfamilie eindeutig zeigt. Er verfügt über eine sehr hohe Fahrgast-Beförderungskapazität von bis zu 193 Passagieren, erlaubt einen schnellen Fahrgastwechsel und ist aufgrund seiner Wendigkeit und Fahrdynamik beliebig einsetzbar Zum Vergleich: Der bislang „größte“ Vertreter der Mercedes-Benz-Linienbusse, der 18 m lange Gelenkbus Citaro G, bietet Platz für maximal rund 150 Fahrgäste. Der Mercedes-Benz „CapaCity“ profitiert dabei gleichzeitig vom ausgereiften Fahrzeug-Konzept und vom Einbau ausgereifter und bewährter Komponenten aus den anderen Linienbus-Baureihen von Mercedes-Benz und unterscheidet sich damit von Grund auf von technisch exotischen oder extrem aufwändigen und teuren Lösungen.

Mit dem Mercedes-Benz „CapaCity“ trägt der Produktbereich Mercedes-Benz Omnibusse den Entwicklungstrends im europäischen Stadtbus-Markt voll und ganz Rechnung: Der „CapaCity“ erfüllt die Forderung der ÖPNV-Betreiber nach einer Konzentration der Fahrgast-Beförderungsleistung auf Hauptlinien und einer Reduzierung von Kraftstoff-, Fahrer-, Werkstatt- und Kapitalkosten ebenso wie die gestiegenen Ansprüche der Fahrgäste an attraktive Nahverkehrs-Konzepte. Er entspricht ebenfalls in vollem Umfang den gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen wie der strengere Emissions-Gesetzgebung und Streichung von Subventionen.


Fahrgast-Kapazität bis 193 Personen, geringe Betriebskosten

Aufgrund seiner Länge von 19,54 m sowie der vierten Achse und der damit einhergehenden Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts auf bis zu 32 Tonnen erlaubt der durchgängig bis ins Heck in Niederflur-Bauweise gestaltete „CapaCity“ im Vergleich zu heute üblichen Gelenkbussen eine deutlich höhere Fahrgast-Kapazität. Sie steigt, ausgehend von einer zulässigen Auslastung der Stehplätze von acht Personen pro Quadratmeter, dank einer Nutzlast von über 13 Tonnen je nach Sitzanordnung um bis zu 40 Prozent auf maximal 193 Personen. Vier doppelt breite Türen, davon zwei im Nachläufer, durchweg stufenlose Ein- und Ausstiege sowie Stehperrons für stehende Passagiere, Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer führen zu einem schnellen Fahrgastwechsel.


Die große Kapazität des „CapaCity“ bedeutet in mehrfacher Hinsicht ein großes Plus: Die gleiche Beförderungsleistung kann künftig mit weniger Omnibussen erfolgen. Das senkt die Anschaffungs- und Unterhaltskosten sowie die Personalkosten spürbar und ist im Sinne einer möglichst geringen Umweltbelastung von großem Vorteil. Zusätzliche Umbaukosten für Haltestellen und Fahrwege werden beim Groß­raum-Stadtlinienbus „CapaCity“ nahezu vollständig vermieden.



























Eigenständiges und selbstbewusstes Design
Der „CapaCity“ tritt innerhalb der Linienbus-Familie von Mercedes-Benz mit einem unverwechselbaren, eigenständigen Design „aus einem Guß“ auf, das ihn dennoch auf den ersten Blick als Mitglied der Mercedes-Benz-Omnibus-Familie identifiziert. Charakteristisch für die äußere Gestaltung des „CapaCity“ ist sein harmonisches Design, das ihm optisch viel von seiner äußeren Größe nimmt. Durch die glattflächige und klare Formensprache wirkt das ganze Fahrzeug dynamisch, elegant und somit bereits auf den ersten Blick rundum attraktiv. Die Gestaltung des freundlich anmutenden „Gesichts“ mit dreidimensional gestalteter Frontblende, in der selbstbewusst auf einem plastisch herausgearbeiteten Sockel der Mercedes-Stern sitzt, geht über in eine glattflächige Seitenwand. Die nicht gelenkten Achsen sind mit Abdeckungen versehen, wo durch die Länge des Fahrzeugs betont wird. Die seitlichen Fenster sind durch tief bis in den Bereich der Radkästen heruntergezogene, schwarz lackierte Flächen optisch vergrößert worden. Auch die Dachgestaltung wirkt harmonisch - alle Dachaufbauten wie Klimaanlage, Lüfter etc. verschwinden unter formschön gestalteten Abdeckungen und integrieren sich so perfekt in das glattflächig-dynamische Exterieur.

Im Innenraum fällt als erstes die extrem geräumige, freundliche und helle Atmosphäre auf. Die komplett neue und moderne Farbgebung unterstreicht die hohe Wertigkeit des Gesamtkonzepts. Innendecke, Seitenwände, Bodenbelag und Sitzpolster sind farblich perfekt aufeinander abgestimmt und werden ergänzt durch ein Haltestangen-System aus gebürstetem Nirosta-Edelstahl, das ebenfalls zur leichten und großzügigen Raumgestaltung beiträgt.


Beweglichkeit und Bremsen wie in Gelenkbussen üblicher Größe

Trotz 19,54 m Länge bewegt sich der Mercedes-Benz „CapaCity“ dank seiner vier Achsen (davon zwei gelenkt) und nur eines Gelenks ebenso unkompliziert durch den Verkehr wie ein herkömmlicher Gelenkbus mit einer Länge von rund 18 m. So entspricht der Wendekreis des „CapaCity“ von 22,85 m exakt dem des „nur“ 17,94 m langen dreiachsigen Gelenkbusses Citaro G; der Kurvenlauf von „Capa­City“ und Citaro G ist ebenso identisch wie die notwendige Breite der Ringfläche. Damit ist der „CapaCity“ im Handling erheblich einfacher als andere Alternativ-Konzepte mit Doppelgelenk oder Anhänger, die derzeit angeboten werden.

Gebremst wird im „CapaCity“ mit dem gewährten Elektronischen Brems-System (EBS) in Verbindung mit ABS und ASR. Scheibenbremsen rundum und Einzelrad-Aufhängung vorn sind dabei Standard.

Rangiermanöver und Rückwärtsfahrt möglich

Da der Mercedes-Benz „CapaCity“ mit nur einem Gelenk auskommt, sind auch Rangierfahrten weitaus unkomplizierter und damit sicherer. So ist im Unterschied zu einem Doppelgelenkbus oder einer Anhänger-Lösung auch die Rückwärtsfahrt problemlos möglich. Sie wird beim „CapaCity“ unterstützt durch „Omnicam“, eine Kamera mit besonders großem Sichtwinkel. Ein markiertes Sichtfeld im Monitor des Kamera-Systems signalisiert dem Fahrer darüber hinaus, wohin sich der Bus unter Beibehaltung des aktuellen Lenkeinschlags bewegt.

Hohe Fahrstabilität dank vier Achsen und Wank-/Nickregelung

Die große Wendigkeit des „CapaCity“ ist auf eine elektrohydraulisch gesteuerte Nachlaufachse zurückzuführen. Auch bei Vorwärtsfahrt wird aufgrund dieser Achs-Konfiguration eine nochmals höhere Fahrstabilität erzielt. Das Fahrwerk mit Einzelrad-Aufhängung an der Vorderachse sowie einer Wank-/Nickregelung durch eine variable Kennung der Stoßdämpfer ist gleichermaßen sicher wie komfortabel. Die Wank-/Nickregelung hat der Produktbereich Mercedes-Benz Omnibusse erstmals bei den mittlerweile drei Dutzend Citaro-Brennstoffzellen-Omnibussen mit ihrer hohen Dachlast erfolgreich eingesetzt.

Bei diesem System werden die Kennlinien der Dämpfer in Abhängigkeit von Fahrsituation und Beladung geregelt. Dies bedeutet beim Bremsen oder bei dynamischer Kurvenfahrt durch straffe Dämpfung eine zusätzlich erhöhte Sicherheit. In anderen Fahrsituationen führt die weichere Dämpfung zu einem höheren Komfort. Überdies werden Wank- und Nickbewegungen sowie Hubbewegungen des Aufbaus reduziert und schneller abgebaut, spürbar gerade bei einem Gelenkbus. Reduzierte Schwankungen der Radlast schonen zudem die Straßen. Zusammen mit der Einzelrad-Aufhängung an der Vorderachse ermöglicht dies einen Fahrkomfort, der im Stadtbus neue Maßstäbe setzt.

Leistungsstarke und sparsame Euro 4-Motorisierung

Im Heck des „CapaCity“ arbeitet der bewährte liegende Reihen-Sechszylinder Mercedes-Benz OM 457 hLA mit zwölf Litern Hubraum. Der sparsame und saubere Motor nach Abgasstandard Euro 4 mit BlueTec-Dieseltechnologie auf Basis der SCR-Technik treibt die dritte Achse an. Dank einer Leistung von 260 kW (354 PS) erreicht der „CapaCity“ trotz seines höheren Gewichts nahezu identische Fahrleistungen und Traktionswerte wie der kürzere dreiachsige Citaro G.



Da die Länge des Capa-City mit 19,54 m über das derzeit zulässige gesetzliche Maß von 18,75 m hinausreicht, ist für den Betrieb auf öffentlichen Straßen eine Ausnahme-Genehmigung notwendig. Im April 2006 hat das deutsche Verkehrsministerium eine allgemeine Ausnahme-Genehmigung erteilt. Sie ermöglicht, dass der Mercedes-Benz Capa-City ohne Auflagen auf allen bundesdeutschen Straßen eingesetzt werden darf. Die Serien-Fertigung des Mercedes-Benz Capa-City wird im Jahr 2007 beginnen.


Fotos und Text:
EvoBus GmbH - Mercedes-Benz Omnibusse
Video-Clip:
BusTV


admin


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