Geschichte
Kombiniert geht’s auch
03.01.2013 - 01:00

Kombiniert geht’s auch
  • Der Lkw als Omnibus
  • Kombiverkehr mit einem Fahrzeug


Trotz primitiver Beförderung war die Stimmung gut

Als die Motorisierung immer weiter fortschritt, rückte auch die Personenbeförderung mit Motorkraftwagen mehr und mehr in das Blickfeld der Spediteure. Doch entgegen den öffentlichen und staatlichen Betreibern von Omnibuslinien, die sich richtiger Omnibusse bedienten, stellte sich für den privaten Anbieter die Frage: Lohnt sich die Anschaffung eines richtigen Omnibusses? So ein Omnibus war schließlich nicht billig, und ob er so ausgelastet war, das er sich rentierte war durchaus nicht gewährleistet.

So kam man auf die Idee, den vorhandenen Lastwagen auch zum Transport von Personen für Ausflugsfahrten zu benutzen. Zu diesem Zweck wurde die Ladefläche wurde mit einfachen Holzbänken bestückt und fertig war der „Omnibus“. Das diese Lösung nicht befriedigend war leuchtet jedem ein und obendrein war die Beförderung von Personen auf dieser Weise so manchem Spott ausgesetzt.


Karikatur aus der Zeitschrift „Motor“ von 1926.Unterschrift: „Die Kurkapelle `Jungbrunnslust` sollte zum ersten Mal im Lastauto zum Konzertplatz befördert werden. Leider hatte aus alter Gewohnheit der Lastwagenchauffeur am Ende der Fahrt die Kippvorrichtung bedient.“

Das führte zu der Überlegung, einen Lkw-Aufbau so zu gestalten, dass er mit wenigen Handgriffen zur Personenbeförderung umgebaut werden konnte. Aufgrund dieser Überlegungen entstand 1907 bei Kässbohrer der erste dieser Aufbauten. Der Lkw war mit einem pritschenähnlichen Aufbau und einem Segeltuch-Verdeck versehen. Der Ladeboden war längsgeteilt. Aus dem Hohlraum zwischen Pritschenboden und Fahrgestellrahmen ließen sich gepolsterte Sitzbänke mit Lehnen herausklappen. Kässbohrer ließ sich diese Idee sogar patentieren und unter der Nummer 412615 wurde sie als „in einen Gesellschaftswagen verwandelbaren Lastwagen“ registriert.


Ein Kombiaufbau der Fa. Kässbohrer auf einem Saurer-Fahrgestell

Doch die Entwicklung schritt munter voran und Modelle, bei denen die Fahrgäste auf Lkw-Pritschen saßen, hatten keine Zukunft mehr. Gefragt war mehr ein Modell, bei dem die Fahrgäste wie in einem richtigen Omnibus befördert werden konnten und bei dem sie auch vor den Unbillen des Wetters geschütz waren.

Besonders in den dreißiger Jahren hatten diese Kombifahrzeuge eine besondere Bedeutung. Viele Unternehmer betrieben sowohl Güter- als auch Personentransport. Dabei schien vielen, wie schon am Anfang erwähnt, der Erwerb einens Omnibusses ein zu großes Risiko. Dazu kam die Möglichkeit der steuerlichen Ersparnis bei Kombinationsfahrzeugen. Bei Kässbohrer löste man das Problem, indem nicht mehr der Aufbau veränderlich für verschiedene Funktionen entwickelt wurde, sondern das Fahrzeugchassis und die Fahrerkabine wurden belassen und zur Aufnahme verschiedener Aufbauten eingerichtet. Diese Aufbauten ließen sich jeweils komplett in wenigen Minuten wechseln.


Ein Sechs-Tonnen-MAN-Fahrgestell mit den Kombi-Aufbauten als Lastwagen und als dreißigsitziger Omnibus aus dem Jahre 1930

Diesem ersten Modell folgten weitere, wobei sich die Größe des Omnibusses naturgemäß nach der Größe des Lkw-Fahrgestells richtete.



Kombinationsaufbauten für ein Büssing-NAG-Chassis von 1934. Hierbei erfolgte der Omnibusaufbau bereits in der fließenden, gefälligen Form der damaligen Ausflugsomnibusse.

Eine weitere Variante der Kombifahrzeuge waren die Sattelomnibusse. Hier wurde nur der entsprechende Sattelauflieger aufgesattelt, um den entsprechenden Transport durchzuführen.



Reisesattelschlepper mit Opel-Blitz Zugmaschine 1933.


Weitere Informationen Sie in dem Artikel "Sattelomnibusse"

Fotos:
Kässbohrer Fahrzeugwerke GmbH
Zeitschrift „Motor“


admin


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