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Mercedes O 6600
03.11.2020 - 01:00

Mercedes O 6600
  • Die Erfolgsmodelle für Logistik und Reisen im „Wirtschaftswunder“ debütieren 1950
  • Omnibus O 6600 für Stadt, Überlandverkehr und Fernreise
  • Überzeugende Fahrzeuge und starkes Servicenetz begeistern die Kunden


Mercedes-Benz O 6600, Reiseomnibus der Baureihe 304 mit Dachrandverglasung.

Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und eine neue Lust am Reisen: Für diese Rahmenbedingungen sind der Schwerlastwagen Mercedes-Benz L 6600 und der mit dem gleichen Antriebsstrang ausgerüstete Omnibus Mercedes-Benz O 6600 von 1950 bis in die Mitte der 1960er-Jahre die optimalen Fahrzeuge. Der Lastwagen der Baureihe 304 kommt im Oktober 1950 auf den Markt. Der Bus folgt im November. Beide gehen von Beginn an auch in den Export.


Mercedes-Benz O 6600, Reiseomnibus der Baureihe 304 mit Schiebetüren.

Ein Omnibus für Reise und Linienverkehre in der Stadt und auf dem Land

Zur Baureihe 304 gehören auch die Mercedes-Benz O 6600 Omnibusse. Dieser Typ entsteht, als die formschönen neuen Buskarosserien der späten 1940er-Jahre (O 5000) mit dem Antriebsstrang und dem Sechsganggetriebe des neuen Schwerlastwagens L 6600 kombiniert werden. Der O 6600 wird ab Werk als Stadtomnibus (zwei Schiebetüren, 27 oder 29 Sitze und jeweils 14 Stehplätze im Innenraum sowie auf dem hinteren Perron), Überlandomnibus (Klapp- oder Schiebetüren auf der rechten Fahrzeugseite, je nach Anzahl der Sitzreihen 37 oder 41 Fahrgastsitze sowie auf Wunsch 8 oder 9 Klappsitze im Mittelgang und ein zweisitziger Klappsitz neben dem Fahrer) und als Allwetterreiseomnibus (zusätzlich mit Webasto-Schiebedach und Dachrandverglasung) ausgeliefert. Ab 1954 heißt er O 304. Zwischen Juli 1950 und Januar 1959 werden 625 Fahrzeuge in den verschiedenen Ausstattungslinien und als Fahrgestelle gebaut.


Mercedes-Benz OP 6600, Frontlenkerstadtomnibus der Baureihe 304 mit Frontmotor, Karosserie von Vetter in Fellbach. Innenansicht.

Das Urteil über den O 6600 fällt in der Presse positiv aus. Die „Omnibusrevue“ lobt in Heft 4/1951 unter anderem die Elastizität und auffallende Laufruhe des Motors sowie eine für damalige Verhältnisse hohe Höchstgeschwindigkeit von gestoppten 88,8 km/h. Über die Federung schreiben die Tester: „Auf Straßen mit tiefen Schlaglöchern waren auf allen Sitzen keinerlei Stöße unangenehm bemerkbar. Man hatte den Eindruck, in einem guten Personenwagen zu fahren.“ „Last-Auto und Omnibus“ urteilt in Heft 11/1951: „Der Mercedes-Benz O 6600 gehört bezüglich Motor, Fahrgestell, Fahreigenschaften und Normalaufbau zu den wirtschaftlichen, schnellen und bequemen Reiseomnibussen. Das Fahrwerk gestattet Sonderaufbauten jeglicher Art. Die Leistung des Motors reicht aus, um selbst bei voller Nutzlast praktisch mit den oberen 4 Gängen auszukommen.“


Mercedes-Benz OP 6600, Frontlenkerstadtomnibus der Baureihe 304 mit Frontmotor, Karosserie von Vetter in Fellbach.

Zweigleisig fährt Daimler-Benz Anfang der 1950er-Jahre bei der Entwicklung von Frontlenkerbussen mit dem Dieselmotor OM 315: Dem modernen Konzept des Heckmotoromnibus folgt der Typ O 6600 H/O 320 H der Baureihe 320, der ab März 1951 gebaut wird. Parallel dazu entsteht aber auch ein preisgünstigeres Frontlenkerfahrgestell mit vorn liegendem Motor. Dieser OP 6600/OP 315 mit einem Radstand von 5.700 Millimetern wird ab Dezember 1953 gebaut und von renommierten Aufbauherstellern karossiert, zum Beispiel von Vetter in Fellbach. In einer Mercedes-Benz Pressenotiz vom Juli 1955 heißt es zu diesem Typ: „Nach dem umfangreichen Omnibusauftrag der Stadt Teheran hat die Daimler-Benz A.G. jetzt auch eine größere Omnibuslieferung für die Stadt Istanbul abschließen können. Istanbul erhält 200 Mercedes-Benz Omnibusse vom Typ OP 315, eine Weiterentwicklung des O 6600 in Pullman-Form.“ Als elektrischer Trolleybus für den Oberleitungsbetrieb wird der O 6600 T in vielen Städten auf der ganzen Welt eingesetzt.


Mercedes-Benz O 6600 T, Trolleybus der Baureihe 304 mit Stromabnehmer an der Oberleitung.


Fotos und Text:
Daimler AG


admin


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