Ehemalige Bushersteller
Henschel-Werke GmbH
05.05.2007 - 14:15


Henschel-Werke GmbH

1785 erwarb Georg Christian Henschel die Hessisch-Fürstliche Stück-Gießerei in Kassel. Aus diesem Unternehmen ging die Firma Henschel & Sohn hervor. Ca. 60 Jahre später verließ die erste Lokomotive die Werkshallen. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges waren Lokomotiven und Waggons das Hauptgeschäft. Als nach dem Ende des Krieges die Aufträge der Bahnverwaltung immer mehr zurückgingen, sah man sich nach neuen Betätigungsfeldern um. Diese sah man im Bau von Nutzfahrzeugen. 1925 verließen dann die ersten H & S-Omnibusse vom Typ Rex die Hallen. 1926 erschien der modifizierte Typ 3B2N mit Niederrahmen und 1927 der Typ 4B1. Letzterer war mit einem 60 PS-Deutz-Diesel ausgestattet. Weitere Typen folgten.

Ab 1930 rüstete man einige Fahrzeuge mit dem Acro-Luftspeicher-Dieselmotor aus. Das endete, nachdem man eigene Dieselmotoren nach Lanova-Patenten des ehemaligen MAN-Ingenieurs Dr. Franz Lang entwickelt hatte.

Einzelstücke blieben jedoch die Lkw´s und Busse mit Dampfmaschinen. Sie hatte man 1933 mit einer 100 PS leistenden Hoch- und Niederdruck-Verbundmaschine ausgestattet. Etwas anders sah es bei den Motoren mit Festkraftstoffen aus. Auf Grundlage der Arbeiten von Prof. Dr.-Ing. Josef Deiters baute man ein Fahrgestell welches von der EVA/Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar karossiert wurde. Hierbei wurde nicht nur der Imbert-Generator, sondern auch die Kühlschächte und der Dachbehälter für das Reserveholz in den selbsttragenden Aufbau mit einbezogen.

Wuchtiger fielen da schon die großen Fahrgestelle 35 und 36 W 3 für Lkw und Omnibusse aus. Ihre gewaltigen 8-Zylinder-Diesel leisteten 160, später 175 PS, die sie aus 15,7 Litern Hubraum schöpften. Für damalige Zeiten eine echte Leistung. Die Karosserien bauten verschiedene Aufbauer, unter anderem Crede & Co.


Henschel 35 W 3 mit Aufbau von Credè - ca. 1935

1934/35 kamen weitere Omnibusbaureihen auf den Markt. So unter anderem die Typen 28 O 1 bis 40 S 3N. 1935 stellte man auf der IAMA in Berlin ein Fahrgestell vor, welches für einen geplanten Reichsautobahn-Schnellreise-Luxusbus gedacht war. Das Dreiachsfahrgestell verfügte über einen 12-Zylinder-Boxermotor der 300 PS aus 31 Litern Hubraum herausholte. Es wurde aber wohl nie mit einem Omnibusaufbau versehen. Als wohl letzte Vorkriegsentwicklung zählt der Frontlenker P/40 S2N Tram, sowie der überarbeitete Hauben-Bus P/6 J 5 N.


Henschel 4 J 5 mit Aufbau von Credè - ca. 1935

Nach dem zweiten Weltkrieg war das Henschel-Werk größtenteils zerstört. Als ehemalige Waffenschmiede für Panzer, Flugzeuge und Flugmotoren unterstand Henschel restriktiven Maßnahmen seitens der Alliierten. So wurde auf Anordnung des Alliierten Kontrollrates der Nutzfahrzeugbau vom Stammwerk gelöst und firmierte nun als Hessische Industrie- und Handels GmbH (Hessia). Das Stammwerk reparierte derweil Lokomotiven.


Henschel O-Bus mit Kässbohrer-Aufbau - ca. 1948

Die Hessia beschränkte sich auf die Instandsetzung von US-Armee-Lastwagen. Zugelassen wurde jedoch der Bau von dringend benötigten Oberleitungsomnibussen, zumal Henschel während des Krieges eine führende Stellung in diesem Bereich erlangt hatte. Die Karosserien für diese Busse kamen größtenteils von Kässbohrer. 1948 firmierte Henschel jedoch schon wieder unter seinem alten Namen. Auch die Hessia war wieder ins Werk eingegliedert.

1950 baute Henschel wieder Lkw- und Omnibusfahrgestelle in Eigenregie. Im gleichen Jahr präsentierte Das Werk den HS 190 N „Bimot“. Unter seiner wohlgerundeten Haube versahen zwei 95 PS-Motoren ihren Dienst. Die Karosserie stammte von Kässbohrer. Doch trotz aller technischen Vorzüge wurden von diesem Omnibus nur 8 Fahrzeuge gebaut. Hauptsächlich Probleme mit dem Synchronlauf der Motoren waren einer der Gründe.


Henschel HS 190 N "Bimot" mit Kässbohrer-Aufbau - 1950

Mehr Glück hatte man dagegen mit dem als H 6 N vorgestellten, in der Serie dann als HS 140 N gebauten Haubenomnibus mit Niederrahmen-Fahrgestell. Dieses Fahrgestell besaß den neuen 140 PS-Diesel, der als besonders laufruhig und sparsam galt.


Henschel HS 140 N mit Trutz-Aufbau – 1951

1953 folgte der HS 100 N. Mit 100 PS und einem Radstand von nur 4500 mm brachte er eine hervorragende Wendigkeit im Stadtverkehr. Im Aufbau und in der Optik gleich erscheint 1954 der Typ HS 120 N. Der Motor leistet nun 120 PS und das Fünfgang-Synchrongetriebe wir durch ein zweigängiges Gruppengetriebe erweitert. Zur IAA 1955 wird die Leistung noch auf 125 PS angehoben, aber 1956 endet die Produktion der HS 120 N Verbundfahrgestelle. Ein weiteres Fahrgestell war der HS 200 UN, welches auf der IAA 1953 vorgestellt wurde. Es besaß einen 13,3 Liter Sechszylinder-Unterflur-Motor mit 200 PS Leistung. Dieser war schräg zur Fahrzeuglängsachse zwischen den Achsen eingebaut. Dadurch konnte der Rahmen durchgehend flach gestaltet werden. Lediglich hinter der Hinterachse war er für die Stehplattform abgesenkt. Auf der Basis dieses Fahrgestells zeigte Kässbohrer auf der IAA 1953 einen Linienbus für Fahrgastfluß. Mit Doppelfalttüren in der Mitte und im Heck, sowie einer einfachen Falttür konnte dieser Bus bis zu 100 Personen im Linienverkehr befördern.


Henschel HS 200 UN mit Kässbohrer-Aufbau - 1953


Kässbohrer-Gelenkzug auf Henschel HS 200 UN für den Überland-Linienverkehr in den USA - 1957

Auf der IAA 1955 trat die Fa. Henschel, die bisher nur Fahrgestelle geliefert hatte, erstmal als Komplettanbieter auf. Grundlage war der neue HS 160 USL, der in Schalenbauweise gefertigt wurde. Von diesem Typ stehen zunächst 3 Ausführungen zur Verfügung: Stadt-Linienbus (11 0der 12 m), Vorort-Linienbus für Einmannbetrieb und Reisebus. 1956 kommt noch die Gelenkbusversion hinzu. Den Bus gab es ab 1958 unter der Bezeichnung HS 160 OSL-G auch als O-Bus-Version.


Henschel HS 160 USL - 1955


Henschel HS 160 USL Gelenk-Omnibus - 1956

Gegen Ende der fünfziger Jahre wurde die Reisebusfertigung eingestellt. Durch den Rückgang bei dem Lokomotivbau und anderer Schwierigkeiten, kam Henschel in eine Liquiditätskrise. Das führte soweit, dass der Bund und das Land Hessen die „Betriebsgesellschaft Henschel-Werke GmbH“ als Auffanggesellschaft gründeten. Auch eine Zusammenarbeit mit Saviem/Renault wurde schon bald wieder eingestellt. 1963 beendete Henschel den Bau von Schalenbau-Leichtmetall-Omnibussen. Die Firma ging 1964 in den Besitz der Rheinischen-Stahlwerke AG (Rheinmetall) über, die 1968 Daimler-Benz als Partner dazu holten. Später hielt Daimler-Benz 100 Prozent und damit endete 1974 der Nutzfahrzeugbau.


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